Der Druck der Inklusionsbewegung hat gewirkt
MEDIENMITTEILUNG
Bern, 21.09.2026, Nationalratsdebatte Herbstsession - Inklusions-Initiative
Der Druck der Inklusionsbewegung hat gewirkt: Der Gegenvorschlag zur Inklusions-Initiative ist verbessert worden
Am Montagabend hat der Nationalrat über die Inklusions-Initiative und den indirekten Gegenvorschlag abgestimmt. Im Vorfeld der Debatte haben die Initiant:innen der Volksinitiative für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen im direkten Gespräch mit Parlamentarier:innen auf Ihre Anliegen aufmerksam gemacht.
Als die Initiant:innen im September 2024 die gesammelten Unterschriften einreichten, wussten sie bereits, dass ihre Bewegung stark ist. In den vergangenen Monaten haben Menschen mit Behinderungen ihre Erfahrungen öffentlich gemacht, mit Parlamentarier:innen gesprochen und Verbesserungen des indirekten Gegenvorschlags gefordert. Dieser Druck hat sich ausbezahlt: Der Nationalrat hat einen Gegenvorschlag verabschiedet, der wichtige Anliegen der Initiative aufnimmt. Mit der Annahme des Gegenvorschlag anerkennt der Nationalrat offiziell einen dringlichen Handlungsbedarf im Bereich der Gleichstellung und der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.
Die Inklusionsbewegung hat die parlamentarische Beratung von Anfang an begleitet. Vor- und während der Nationalratsdebatte suchten zahlreiche Menschen mit Behinderungen im Bundeshaus das Gespräch mit den Nationalrät:innen. Sie erklärten, was ausreichende Assistenz, die freie Wahl der Wohnform und gleichberechtigte Möglichkeiten bei der Arbeit und Bildung für ihr Leben bedeuten. Ihre Forderungen waren im Parlament präsent. Sie haben den Gegenvorschlag mitgeprägt.
Der Entscheid des Nationalrats ist ein Erfolg dieser gemeinsamen Arbeit. Zugleich erfüllt der Gegenvorschlag die Forderungen der Inklusions-Initiative nicht genügend - er bleibt zu unverbindlich für Bund und Kantone. Menschen mit Behinderungen brauchen verlässliche Rechte und Unterstützung, die im Alltag tatsächlich wirkt. Dafür setzen sich die Initiant:innen und der Trägerverein mit dem gesamten Unterstützungsnetzwerk der Inklusions-Initiative weiterhin ein.
In den kommenden Monaten befasst sich der Ständerat mit der Initiative und dem Gegenvorschlag. Die Erfahrungen aus der Nationalratsdebatte werden in die Gespräche mit den Mitgliedern des Ständerats einfliessen.
Hintergrund: Inklusions-Initiative und ihr Gegenvorschlag
Die Inklusions-Initiative wurde 2024 mit 108'000 gültigen Unterschriften eingereicht. Der Bundesrat lehnt die Initiative ab und schlägt stattdessen einen indirekten Gegenvorschlag vor. Der öffentliche Druck vonseiten der Kantone, Organisationen und Betroffenen für eine Verbesserung des Gegenvorschlags ist seit der Vernehmlassung deutlich spürbar und wächst.
Aktuell hat der Nationalrat in der Herbstsession am 16. und 21. September 2026 den indirekten Gegenvorschlag und die Inklusions-Initiative beraten. Das Initiativkomitee und Menschen mit Behinderungen waren während dieser Session in der Wandelhalle im Bundeshaus und sprachen mit den Ratsmitgliedern über ihre Lebensrealitäten. Bei den Abstimmungen wurde die Initiative mit 97 zu 78 Stimmen abgelehnt (21 Enthaltungen) und der Gegenvorschlag mit 108 Stimmen angenommen (80 Gegenstimmen, 8 Enthaltungen).
Der Verein für eine inklusive Schweiz ist mit seiner Trägerschaft für die Inklusions-Initiative verantwortlich. Dazu gehören: Inclusion Handicap, Amnesty International, Agile, ARTISET/INSOS, und die Vereine Tatkraft und inclusion360. Hinter den Trägerorganisation steckt eine breite, überparteiliche Allianz aus mehr als 50 Organisationen, Verbänden und Vereinen.